Zitate - Fontane, Theodor
Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.Ein Optimist ist ein Mensch, der ein Dutzend Austern bestellt, in der Hoffnung, sie mit der Perle, die er darin findet, bezahlen zu können.
Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen.
Alle Welt reist. So gewiss in alten Tagen eine Wetterunterhaltung war, so gewiss ist jetzt eine Reiseunterhaltung. "Wo waren Sie in diesem Sommer?"
Anstaunen ist auch eine Kunst. Es gehört etwas dazu, Großes als groß zu begreifen.
Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache.
Den höchsten Anlauf nahm die Menschennatur, als sie einen gotischen Dom in Vollendung dachte. Aber er ist ein Ideal geblieben und mit Recht, denn das Vollendete muss unvollendet bleiben. Die fertigen gotischen Dome sind nicht vollendet, und die vollendeten sind nicht fertig.
Die Dinge beobachten gilt mir beinah mehr als sie besitzen, und so hat man schließlich seinen Glück- und Freudeertrag wie anscheinend Bevorzugtere.
Die Erfüllung eines Lieblingswunsches, sei der Wunsch selber, was er wolle, berührt uns wie eine Weihnachtsfreude.
Die Liebe lebt von liebenswürdigen Kleinigkeiten, und wer sich eines Frauenherzens dauernd versichern will, der muss immer neu darum werben, der muss die Reihe der Aufmerksamkeiten allstündlich wie einen Rosenkranz abbeten. Und ist er fertig damit, muss er von neuem anfangen. Immer da sein, immer sich betätigen, darauf kommt es an.
Die Liebenswürdigkeit, wenn sie echt ist, hilft über viele Unkorrektheiten hinweg.
Frei, aber nicht frech, das ist so mein Satz.
Ich hasse nicht die Könige, sondern den Druck, den sie mit sich führen.
Irgendwo kommt man immer auf seine Kosten.
Die Kunst soll nach Vollendung streben, soll ehrliche, gründliche Arbeit verrichten, und soweit dies die modernen »Impressionisten« tun, schließe ich auch diese Richtung innerhalb der Kunst (Fr. von Uhde, Max Klinger) von der Kunst selbst nicht aus.
Realismus ist die künstliche Wiedergabe (nicht das bloße Abschreiben) des Lebens.
Solange es geht, muss man Milde walten lassen, denn jeder kann sie brauchen.
Solange keine Wolken da sind, freue man sich des himmlischen Lichts.
Übrigens darf ich bei allem Respekt vor meinem berühmten Hotel sagen, unberühmte sind meistens interessanter.
Von Jugend auf gepflegte Herzensbeziehungen sind doch das Schönste, was das Leben hat.
Was wäre das Leben ohne Liebesverhältnisse? Verstumpft, öde, langweilig.
Weh dem, der von Untergebenen abhängig ist.
Wir kennen uns nie ganz, und über Nacht sind wir andre geworden, schlechter oder besser.
Wohl Keime wecken mag der Regen,
der in der Scholle niederbricht;
doch goldnes Korn und Erntesegen
reift nur heran bei Sonnenlicht.
