Die Sonette an Orpheus - Zweiter Teil - Sonett - Sonett XXIV

Rilke, Rainer Maria

O diese Lust, immer neu, aus gelockertem Lehm!
Niemand beinah hat den frühesten Wagern geholfen.
Städte entstanden trotzdem an beseligten Golfen,
Wasser und Öl füllten die Krüge trotzdem.

Götter, wir planen sie erst in erkühnten Entwürfen,
die uns das mürrische Schicksal wieder zerstört.
Aber sie sind die Unsterblichen. Sehet, wir dürfen
jenen erhorchen, der uns am Ende erhört.

Wir, ein Geschlecht durch Jahrtausende: Mütter und Väter,
immer erfüllter von dem künftigen Kind,
daß es uns einst, übersteigend, erschüttere, später.

Wir, wir unendlich Gewagten, was haben wir Zeit!
Und nur der schweigsame Tod, der weiß, was wir sind
und was er immer gewinnt, wenn er uns leiht.
Arnim, Bettina von
Arnim, Ludwig Achim von
Baudelaire, Charles
Bauernfeld, Eduard
Blake, William
Bodenstedt, Friedrich Martin
Chamisso, Adelbert von
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von
Fallersleben, August Heinrich Hoffmann von
Fontane, Theodor
Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von
Goethe, Johann Wolfgang
Günderode, Karoline von
Hebbel, Friedrich
Keller, Gottfried
Kleist, Heinrich von
Nietzsche, Friedrich Wilhelm
Novalis
Rilke, Rainer Maria
Storm, Theodor