Gedenkst du noch?

Storm, Theodor

Gedenkst du noch, wenn in der Frühlingsnacht
Aus unserm Kammerfenster wir hernieder
Zum Garten schauten, wo geheimnisvoll
Im Dunkel dufteten Jasmin und Flieder?
Der Sternenhimmel über uns so weit,
Und du so jung; unmerklich geht die Zeit.

Wie still die Luft! Des Regenpfeifers Schrei
Scholl klar herüber von dem Meeresstrande;
Und über unsrer Bäume Wipfel sahn
Wir schweigend in die dämmerigen Lande.
Nun wird es wieder Frühling um uns her,
Nur eine Heimat haben wir nicht mehr.

Nun horch ich oft, schlaflos in tiefer Nacht,
Ob nicht der Wind zur Rückfahrt möge wehen.
Wer in der Heimat erst sein Haus gebaut,
Der sollte nicht mehr in die Fremde gehen!
Nach drüben ist sein Auge stets gewandt:
Doch eines blieb - wir gehen Hand in Hand.
Arnim, Bettina von
Arnim, Ludwig Achim von
Baudelaire, Charles
Bauernfeld, Eduard
Blake, William
Bodenstedt, Friedrich Martin
Chamisso, Adelbert von
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von
Fallersleben, August Heinrich Hoffmann von
Fontane, Theodor
Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von
Goethe, Johann Wolfgang
Günderode, Karoline von
Hebbel, Friedrich
Keller, Gottfried
Kleist, Heinrich von
Nietzsche, Friedrich Wilhelm
Novalis
Rilke, Rainer Maria
Storm, Theodor