Nächtliche Fahrt

Rilke, Rainer Maria

Sankt Petersburg

Damals als wir mit den glatten Trabern
(schwarzen, aus dem Orloff'schen Gestüt) -,
wahrend hinter hohen Kandelabern
Stadtnachtfronten lagen, angefrüht,
stumm und keiner Stunde mehr gemäß -,
fuhren, nein: vergingen oder flogen
und um lastende Paläste bogen
in das Wehn der Newa-Quais,

hingerissen durch das wache Nachten,
das nicht Himmel und nicht Erde hat, -
als das Drängende von unbewachten
Garten gärend aus dem Ljetnij-Ssad
aufstieg, während seine Steinfiguren
schwindend mit ohnmächtigen Konturen
hinter uns vergingen, wie wir fuhren -:

damals hörte diese Stadt
auf zu sein. Auf einmal gab sie zu,
daß sie niemals war, um nichts als Ruh
flehend; wie ein Irrer, dem das Wirrn
plötzlich sich entwirrt, das ihn verriet,
und der einen jahrelangen kranken
gar nicht zu verwandelnden Gedanken,
den er nie mehr denken muß: Granit -
aus dem leeren schwankenden Gehirn
fallen fühlt, bis man ihn nicht mehr sieht.
Arnim, Bettina von
Arnim, Ludwig Achim von
Baudelaire, Charles
Bauernfeld, Eduard
Blake, William
Bodenstedt, Friedrich Martin
Chamisso, Adelbert von
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von
Fallersleben, August Heinrich Hoffmann von
Fontane, Theodor
Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von
Goethe, Johann Wolfgang
Günderode, Karoline von
Hebbel, Friedrich
Keller, Gottfried
Kleist, Heinrich von
Nietzsche, Friedrich Wilhelm
Novalis
Rilke, Rainer Maria
Storm, Theodor