Sinnesleistungen
Die wichtigsten zwei Sinne der Schildkröten sind das Riechen und das Sehen. Die anderen Wahrnehmungen sind eher mangelhaft entwickelt.Der, aus Nase und anhängendem Jacobsonschen Organ bestehende Riechapparat ist das leistungsfähigste Sinnesorgan der Schildkröten. Die Nasenhöhle und das Jacobsonsche Organ sind mit Riechepithel ausgekleidet, welches von Schleimdrüsen ständig feucht gehalten wird. Bei einigen Schildkrötenarten sind die Nasenöffnungen an das Ende eines Nasenrüssels verlagert, wie er beispielsweise bei Weichschildkröten und der Matamata zu finden ist. Dieser Nasenrüssel erlaubt es den Schildkröten Luft zu holen, ohne mit dem Kopf aus dem Wasser aufzutauchen.
Wasserschildkröten sind auch in der Lage unter Wasser zu riechen. Dazu lassen sie Wasser durch die Nase ziehen, welches sie danach wieder durch das Maul abgeben. Das Riechen ist für die Schildkröten bei der Nahrungssuche sehr wichtig. Besonders in trübem Wasser lebende Schildkröten, finden ihre Nahrung fast ausschließlich mit Hilfe ihres Geruchssinns. So riechen Schildkröten beispielsweise Schleimabsonderungen von Schnecken und andern Beutetieren oder Geruchsstoffe in Pflanzensäften. Diese Gerüche können die Schildkröten noch in geringen Konzentrationen wahrnehmen.
Eine zweite wichtige Bedeutung des Riechens ist die Erkennung von Artgenossen und Geschlechtspartnern. Dazu scheiden die Schildkröten über Analdrüsen art- und geschlechtsspezifische Duftstoffe ab. So kommt es bei sich begegnenden Schildkröten zu einem gegenseitigen intensiven Beriechen, wobei die Schildkröten mit dem Kopf nicken. Wasserschildkröten beriechen ebenfalls ihre Artgenossen.
Das Auge der Schildkröten ist mit denen der Krokodile und Echsen vergleichbar. Das Auge ist mit einem Lidpaar, wobei das Oberlid wesentlich größer ist, geschützt. An den Augen der Schildkröten sitzen zwei Drüsen. Die eine Drüse ist die Tränendrüse, die andere, die für Reptilien charakteristische Hardersche Drüse. Bei den salzwasserbewohnenden Arten ist die Tränendrüse, bedingt durch ihre bereits erwähnte Funktion der Abgabe des überschüssigen, aufgenommenen Salzes wesentlich größer. Die Tränenausscheidung ist bei den Schildkröten, im Vergleich zu anderen Tieren, besonders stark, da die Schildkröten keinen Tränengang besitzen, welcher Augensekret in die Nase oder Mundhöhle ableiten könnte. Dieser Tränenfluss ist sehr schön bei Meeresschildkrötenweibchen, welche zur Eiablage an Land sind, zu beobachten. Schildkröten besitzen eine beachtliche Sehleistung. So haben alle Schildkrötenarten ein gutes Formsehen. Außerdem können viele Arten bewegliche Objekte auf große Distanzen wahrnehmen. Den besten Gesichtssinn besitzen vermutlich amphibisch lebende Schildkröten, bedingt durch ihre großen Fluchtwege. Dazu besitzen Schildkröten eine gute Farbsehtüchtigkeit. Besonders im Rotbereich sind Schildkröten in der Lage, bereits geringe Farbunterschiede wahrzunehmen und sie sind können sogar einen Teil des Infrarotbereiches sehen.
Der Gehörsinn der Schildkröten ist wie Eingangs erwähnt nur schlecht entwickelt. Äußerlich sind die Ohren der Schildkröten so gut wie nicht zu erkennen. Bei den meisten Schildkröten ist das Trommelfell von Haut bzw. einer oder mehrerer Schuppen bedeckt. Teilweise liegt das Trommelfell allerdings auch ohne weiteren Schutz frei. Im Aufbau ähnelt das Schildkrötenohr, dem der Echsen. Die Paukenhöhle des Schildkrötenohres ist in zwei Kammern geteilt. In der äußeren, trichterförmigen Kammer befindet sich ein Knorpelstab, welcher das Trommelfell mit dem zum Hinterohr leitenden Gehörknöchelchen verbindet. Im inneren Ohr besitzen die Schildkröten ein auffällig großes Labyrinth. Trotz dieses recht komplizierten Aufbaus des Schildkrötenohres ist das Hörvermögen der Schildkröten sehr beschränkt. Denoch sind Schildkröten nicht völlig taub. Niedere Frequenzen bis etwa 1000 Hz können Schildkröten wahrnehmen. Das beste Hörvermögen besitzen Schildkröten zwischen 200 und 500 Hertz.
Schildkröten sind nicht völlig stumm. Die Männchen und auch die Weibchen können bei der Paarung, sowie bei starken Schmerzen piepsende bis grunzende Laute abgeben. Die Schmerzempfindung der Schildkröten ist besonders auf dem Panzer gering. Auf dem Panzer sind die Schmerzrezeptoren sparsam und weit verteilt angeordnet, weshalb teilweise selbst große Panzerverletzungen von den Schildkröten ohne Probleme vertragen werden.
Die Schildkröten besitzen eine sehr gute Temperaturwahrnehmung über die Haut, sowie auch im Panzerbereich. Diese Temperaturwahrnehmung ist für die Schildkröten, als wechselwarme Organismen, von fast lebenswichtiger Bedeutung. Er dient unter anderem zum Auffinden eines günstigen Sonnenplatzes sowie zur Suche geeigneter Plätze zur Eiablage. In Kombination mit der Wahrnehmung des Beleuchtungszustandes, verhilft ihnen diese Fähigkeit auch zum Auffinden ihrer Übernachtungsplätze zur richtigen Zeit.
Eine weitere bemerkenswerte Fähigkeit der Schildkröten ist die hervorragende Wahrnehmung von Bodenerschütterungen.
Neben dem instinktiven Verhalten, spielt bei den Schildkröten das Lernvermögen eine entscheidende Rolle.
Das Hirn der Schildkröten entspricht im wesentlichen dem anderer Reptilien. Allerdings ist der für das Riechen verantwortliche Gehirnteil wesentlich größer ausgeprägt als bei den meisten anderen Reptilien.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Schildkröten zwar nicht besonders „klug“ oder „intelligent“ sind, allerdings unter den Reptilien durchaus eine führende Rolle einnehmen.
