Plaunscher Grund
Schon in urgeschichtlicher Zeit befand sich am Hohen Stein eine Siedlung. Im Mittelalter diente er wahrscheinlich als Kalvarienberg (katholische Wallfahrtsstätte). Im 19. Jh. wurde der Hohe Stein als Steinbruch genutzt.Der eigentliche Felsen besteht aus Monzonit (ältere Bezeichnung: Syenodiorit). Der Felsbuckel ist ein Überbleibsel aus der Strandregion des ehemaligen Kreidemeeres. In ihm ist eine taschenartige Vertiefung eigelassen, welche durch Brandungswellen im Grundgestein ausgekolkt (ausgewaschen) wurde. Dieser Strudeltopf war fünf Meter tief und drei Meter breit. Die ehemalige Brandungsklippe ist im oberen Cenoman einzuordnen, was sich durch das Vorkommen bestimmter Leitfossilien bestimmen lässt. Die taschenartige Vertiefung wurde in dieser Zeit randvoll mit organischem Material gefüllt. Dieses Material besteht neben rekristallisiertem Calcit fast ausschließlich aus Fossilien/Schill (Schalenbruchstücke). Lediglich im unteren Teil der Tasche mischen sich in das Schill durch die Brandung rund geschliffene Monzonitgerölle. Dieser Aufschluss steht heute unter strengem Schutz.
Vom hohen Stein aus hat man eine gute Aussicht über den Plaunschen Grund, welcher geologisch betrachtet relativ jung ist und zur Zeit der Meeresüberflutung in der Kreidezeit noch nicht existierte. Der Plaunsche Grund ist an dieser Stelle wesentlich enger und steilwandiger als im Gebiet der Stadt Freital. Dies liegt daran, dass sich die Weißeritz hier durch den festen Monzonit schneiden musste, wodurch ein Durchbruchstal entstand. Im Gebiet der Stadt Freital hingegen konnte sich ein weiter Talkessel bilden, da die Weißeritz die Gesteine des Rotliegenden, welche hier anstehen und wesentlich schneller erodieren, leichter abtragen konnte.
Gegenüber des Hohen Steins befindet sich der ehemalige Ratssteinbruch.

Trotz der gut entwickelten Flora an der Steinbruchwand sind horizontal lagernde Schichten erkennbar, welche einem dunkleren Material aufliegen.
Bei dem dunklen, homogenen Material im unteren Teil der Wand handelt es sich um Monzonit, welcher zu den Plutoniden gehört. Benannt sind die Plutonide nach Pluto, dem Gott der Unterwelt in der griechischen Mythologie, da sie in der Tiefe der Erdkruste entstehen. Bei der Entstehung von Plutoniden kommt es zu einer Intrusion von Magma, welches daraufhin, durch die vorhandene Gebirgsüberdeckung, lange Zeit zum Erstarren benötigt. Durch die lange Abkühlzeit bilden sich Kristalle, welche mit bloßem Auge gut erkennbar sind. Durch den Druck der darüber befindlichen Gesteinsmassen werden Gashohlräume verhindert, wodurch die Plutonide sehr Kompakt und ihre einzelnen Minerale miteinander Verzahnt sind.
Die Kristallisation der Mineralien aus der Schmelze vollzieht sich in einer bestimmten Reihenfolge: zuerst die Nebengemengteile und Erze - dies wären zum Beispiel Apatit, Titanit, Magnetit, und Zirkon; danach folgen hauptsächlich die dunklen Gemengteile Olivin, Augit, Hornblende und Biotit; zuletzt kristallisiert Quarz aus. Die Kristallisation der Feldspäte vollzieht sich während der gesamten Abkühlphase, wobei sich jedoch zunächst Plagioglase und später Orthoklase herausbilden.
Die zuerst ausgeschiedenen Mineralien können dabei ihren Habitus voll entwickeln, währenddessen Feldspäte nur gelegentlich und Quarz niemals seine Eigengestalt als Gemengteil zeigt, da sie nur die übrig gebliebenen Räume ausfüllen können.
Durch die Differentiation während der Kristallbildung kommt es zu einer räumlichen Sonderung der Mineralien und damit der Gesteine. Die schweren Minerale sinken im Magma ab, dies sind im Allgemeinen die mafischen Bestandteile. Die räumliche Sonderung der Plutonide ist wie folgt:
| viel Feldspat |
|---|
| Periodit-Familie |
| Diodorit-/Gabbro-Familie |
| Syenit-Familie |
| Granit-Familie |
| Quarzolit-Familie |
| viel Quarz |
Die Zusammensetzung des Monzonits lautet wie folgt:
helle Bestandteile: 55-90 %
größtenteils Feldspat und Quarz (0-20%) sowie Foide (0-10%)
dunkle Bestandteile: 10-45 %
Als Nebengemengteile treten Pyroxene, Hornblende und Biotit auf.
Zwischen der Entstehung des Monzonits auf dem Gebiet des heutigen Plaunschen Grund und der Ablagerung der Meeressedimente, welche im oberen Steinbruchteil zu sehen sind, liegt eine zeitliche 'Lücke' von rund 150 Millionen Jahren. Die Berührungsfläche der beiden Schichten wird als Diskordanz Bezeichnet. Nach der Auskristallisation des Plutons folgte die Erosion der über ihm liegenden Gesteine und auch Teile des Plutons selbst wurden abgetragen. Nach dieser Abtragung erfolgte die Überflutung des Gebiets durch das kreidezeitliche Meer. Vor der Kreidezeit gab es in Sachsen keine nennenswerten Meeresablagerungen. Die in Sachsen existierende schmale Meerenge zwischen Böhmicher und Lausitzer Insel, also etwa im Bereich des heutigen Elbverlaufs, führte in einem schmalen Bereich zur Schüttung relativ grober Sedimente, wodurch das Elbsandsteingebirge mit seinen charakteristischen Sandsteinfelsen entstand.
Im Raum Dresden sind diese Sedimente deutlich feiner und wurden als Tone und Mergel abgelagert. 1836 wurde am Dresdner Albertplatz eine Bohrung zur Untersuchung der Ablagerungen durchgeführt, jedoch gelang es auch nach 243 Metern nicht, die Sedimentschicht zu durchbohren.
In der Kreidezeit wurden nun also diese Sedimentschichten auch über dem Monzonit des Ratssteinbruches abgelagert. Zwischen Monzonit und der Schicht der Kreidesedimente liegen also (die bereits erwähnten) 150 Millionen Jahre.
Die kreidezeitlichen Ablagerungen auf dem Monzonit zeigen folgende Schichtung:
Über dem Monzonit folgt eine Schicht von Geröllen desselben unterschiedlicher Größe. Dies sind Bruchstücke des darunter liegenden Festgesteins, welche in der Brandungszone des Kreidemeeres an dieser Stelle abgelagert wurde. Darüber folgt eine Schicht von kreidezeitlichen Plänermergel, auch nur Pläner ("Plauener" Gestein) genannt, aus der oberen Kreidezeit. Dieses Gestein besteht hauptsächlich aus Ton, Schluff, Sand und Kalk und hat eine graugelbe Färbung. Danach folgt eine dünnere, fahlgelbe Deckschicht aus Lößlehm und der überdeckende Bewuchs, welcher leider auch das Aufschlussprofil teilweise verdeckt.
Der Steinbruch wurde ursprünglich als Forsthausbruch bezeichnet und ist einer von mindestens 16 ehemaligen Steinbrüchen im Plaunschen Grund. Einige unter ihnen waren bis 1955 in Betrieb. Der Rat der Stadt Dresden kaufte diesen Steinbruch 1872 zur Gewinnung von Baumaterial und erweiterte ihn. Bekannt wurde er als ein Lehrbeispiel in Bezug auf die Schichtenfolge von Pläner, Konglomeraten und Monzonit.